Andreas Gehlen: Pimpuli

22. November - 15. Dezember 2013

Pimpuli ist eklektisch gefüllt: Auf dem Boden liegen gummiartige Silikonabgüsse zweier Militärschlafsäcke. Keimende Kartoffeln und die Abgüsse von Kartoffeln verstecken sich in der Installation. Kleine Leuchtobjekte winden sich um alte, metallene Kaugummiautomaten, die in der Mitte des Raumes im Kreis aufgestellt sind. Sie dienen als Sockel für gebogene Edelstahlrohre, die ineinandergefächert sind und so eine Kuppel bilden. An die Konstruktion wurden lange Stangen geschweißt, wo an deren Enden Krokodilklemmen befestigt sind. Wie Speerspitzen sind sie ins Zentrum ausgerichtet. In der Mitte: ein weißer Stoffball, der von den Klammern von allen Seiten wie ein großer Kaugummi auseinandergezogen wird.

Gegenüber der großen Installation steht eine gerahmte Zeichnung. Die Darstellung hat Gehlen aus dem Science-Fiction-Comic Hard Boiled von Frank Miller und Geoff Darrow (1990) entnommen. Darauf abgebildet ist ein Portait von Nixon. Er ist ein Roboter der Unit Four, der in einem menschlichen Körper steckt und mit den Erinnerungen verstorbener Menschen programmiert wird. Etliche Kabel klemmen in seinem Fleisch, sein Gesicht ist schmerzverzerrt. Die vielen Klemmen in Nixons Haut lesen sich wie eine Fußnote zu dem von allen Seiten auseinandergezerrten Stoffball in der Installation. Der weiße Körper erscheint ebenso fremden Einflüssen unterworfen, die seiner „Natur“ entgegenzuwirken versuchen. Die Klammern kneifen, ziehen und zerren am Gewebe, halten es unter ihrer Kontrolle und sperren es ein in diesen sonderbaren Metallkäfig. Unterhalb der Metallkonstruktion befinden sich zweitausend Plastiklöffel, -gabeln und –messer. Sie stecken in den Öffnungen der alten Kaugummikästen. Ich denke an die Mollusken zum Rahmenprogramm. „Wir wollten fliegen und fanden, dass wir Flügel aus Plastiklöffeln hatten. Wir flogen so nah an die Sonne, dass das Plastik zu schmelzen begann. Also flogen wir ohne Flügel weiter.“* So manch einer griff nach einem Löffel aus den falschen Automaten.

Zur Finissage wurde die Installation dekonstruiert. Der Käfig stand auf dem Boden und die Kaugummikästen waren zu einer Wand aufgebaut. Eine Papiercollage machte sich auf den Kästen erkennbar: Darauf eine Katze, die in eine Hand beisst.

Pimpuli bietet eine unerschöpfliche Vielfalt der visuellen und narrativen Details. Kaugummi, Plastikbesteck, Nixon, Fleischwunden und die Erinnerungen verstorbener Fremder: Die Arbeit erzählt Geschichten. Und gleichzeitig ist sie Bühne für Performance (Evamaria Schaller, Alice de Visscher), Dichtung (s.u.) und Musik (Joe Elegant). Alles, was aus diesem Schauplatz der skurrilen Erzählungen entwächst, nimmt Pimpuli wie ein Energiefeld in sich auf und verarbeitet es zu einer großen plastischen Collage.

* Thorsten Krämer las zum Rahmenpgrogramm: Aus dem Leben der Mollusken

www.andreasgehlen.com

 

Installationsansicht
Installationsansicht, Zeichnung
Detail
Evamaria Schaller & Alice de Visscher
Evamaria Schaller & Alice de Visscher
Joe Elegant zum Miesmuschelessen
Pimpuli - Dekonstruiert