Clemens Botho Goldbach – D.O.M.

18. April - 5. Mai 2012

Für die erste Einzelausstellung im HONIGBROT präsentiert Clemens Botho Goldbach auf dem Fußweg vor dem Galeriehaus eine Skulptur aus gemauerten Feldbrandsteinen. Im Ausstellungsraum selbst findet eine Dokumentation der installierten Arbeit und ihrer Konzeption statt.

Goldbach arbeitet mit Fundstücken aus der Umgebung, sowie historischem Material. Das in der Arbeit verwendete, historische Material sind über 100 Jahre alte Feldbrandsteine, die er 2010 bei einem Fachhandel für historische Baustoffe erwarb. Seitdem wurden sie nach ihrem Rückbau bereits in Bonn, Wilhelmshaven, Münster und schließlich Köln eingesetzt und dabei immer wieder abgetragen, gereinigt und neu aufgeschichtet. Das erwähnte „Fundstück aus der Umgebung“ ist ein Fragment der Kölner Stadtmauer, dem der Künstler abends auf dem Rückweg vom Ausstellungsraum zum Hauptbahnhof begegnete. Diesen ruinösen Baukörper übertrug er in einen neuen Kontext, indem er eine Kopie seiner Architektur vor das moderne, mit quadratischen Lichtkuppeln verkleidete, ehemaligen Umspannwerk Köln-Nord mauerte.

Den Titel der Arbeit entnahm Goldbach einer christlichen Tradition, die diesen Schriftzug als Weihschrift bei Sakralbauten und auf Gräbern einsetzte. Es ist das Akronym für Deo Optimo Maximo, eine Umformung der antiken, heidnischen Weiheformel I.O.M. (Iovi Optimo Maximo „Jupiter, dem Besten und Größten“). Diese Umformung durch die Katholische Kirche fand erst ab der Renaissance ihre Verwendung - so der Künstler in seinem Konzept - und lässt sich einordnen in die Indigenisierungstaktiken der christlichen Tradition, bei welcher heidnische Kulte, Mythen und Bräuche kopiert und in eine christliche Symbolsprache übersetzt wurden.

Der Referenztitel D.O.M. liest sich als Paraphrase für das Gemäuer vor dem Galeriehaus. Sie sind beide Kopien, Appropriationen, deren Originale übersetzt und in einen neuen räumlichen, historischen und kulturellen Kontext übergeben wurden. Den Prozess der Aneignung historischen Materials zitiert noch einmal die Installation im Ausstellungsraum, die in ihrer Ästhetik an eine museale Exposition historischer Funde erinnert: auf einem Sockel ist ein Modell des Werks platziert und in einer Vitrine liegen Konstruktionszeichnungen und Ansichten der Ruine in der Burgmauer.

Der appropriatorische Rückgriff auf historische Elemente innerhalb des Werks zeigt sich besonders auffällig im Dialog mit dem Ausstellungshaus (einem Umspannwerk aus den 70er Jahren), das von renommierten Architekten 2002 kernsaniert wurde. In seiner ähnlichen Farbgebung und quadratischen Form geht der spektakuläre Stahlbetonbau mit der nüchternen und trivialen Skulptur eine Partnerschaft ein, die Gegensätzlicher nicht sein kann.