Evangelos Papadopoulos - MANIA

8. Juni - 8. Juli 2012

Der Ausstellungstitel MANIA entstammt einer Textstelle aus Platons Phaidros, in welcher Sokrates im Gespräch mit seinem Freund Phaidros eine Lobrede über den Rausch hält. Er sagt, dass die größten aller Güter uns Menschen im Rausche zuteil wurden. Mit „Rausch“ ist ein Geschenk gemeint, etwas Schönes, das von Gott verliehen wurde, also eine transzendentale Eingebung, die mit ihrer Ausführung ihre irdische Manifestation findet. Trotz der etymologischen Nähe zum Begriff der „Manie“, welcher im Duden mit Wahn, Zwang und Besessenheit übersetzt wird, möchte „Mania“ einen etwas anderen Zustand umreißen, der eine Nuance klarer und freier zu sein scheint und ein schöpferisches Element zur Basis hat. Im Gegensatz dazu stehe „die vom Menschen stammende Besonnenheit“, die Vernunft, das rationale Tun. 

Die raumgreifende Plastik des Bildhauers Evangelos Papadopoulos erscheint durch ihre Ausmaße von über 7 m x 4 m x 4m und durch seine kristalline und expandierende Gestalt wie eine ebensolche rauschhafte Schöpfung, die sich rational motivierten, verbalen Deutungsversuchen entsagt. Bei ihrem Entstehungsprozess sahen wir gemeinsam zu, wie sich Tag für Tag, Stunde um Stunde, der Raum transformierte und schließlich selbst zu einem Teil der Kunst wurde. Wir beobachteten, wie viele Wege der Künstler zurücklegte. Es wurde hinzugefügt, angeschraubt, abgebrochen, abgesägt und wieder entfernt, wieder aufgetragen. Papadopoulos kreiste um die Arbeit und betrachtete das entstehende Werk aus den unterschiedlichsten Blickachsen und unter jeweils anderen Licht- und Perspektivverhältnissen. Dabei dienten die verschiedenen Beobachtungsposten als feste Bildausschnitte, die immer wieder aufgesucht wurden, um abgeglichen zu werden, um ein visuelles Gleichgewicht herzustellen und vor dem Auge schließlich das zu erschaffen, worauf es zu warten schien.

Mit der Ausstellung MANIA ist ein plastischer Eingriff entstanden, durch dessen Dominanz in der Erscheinung die Funktionalität des Raumes entkoppelt wird. Die Umgebung wurde vereinnahmt: die geometrischen Strukturen im Raum, der dunkle Betonestrich, die Fenstergliederung, die Farb- und Lichtverhältnisse, aber auch die vielen körperlichen Bewegungen um die Arbeit herum – all diese Raumelemente verweisen im Schatten des Kunstwerks auf ihre bildhaften Qualitäten und die Sicht auf den Raum verlagert sich mehr und mehr von seiner Funktionalität auf die Formsprache. So treten die malerischen Merkmale des Kunstwerks gemeinsam mit dem Raum und seinem inhärenten Lebensalltag als visuelle Erscheinungen hervor und verwandeln sich nahezu in eine dreidimensionale Collage.

www.evangelospapadopoulos.eu