Gereon Krebber: ALL THE IFs AND WHENs - Mobiles 2011-13

19. April - 19. Mai 2013

Gereon Krebber präsentiert im Honigbrot eine Auswahl seiner Mobiles: ALL THE IFs AND WHENs (1, 2 & 3) und LOST IN LIMBOLAND (1 & 2). Der Kölner Bildhauer beschäftigt sich in seiner Arbeit häufig mit Prekärem und Zwiespältigem zwischen „Ekel und Faszination“, wie er selbst sagt.

Es ist eine abseitige und groteske Parade, die sich hier präsentiert. An den Enden der Stahlstangen finden sich getrocknete Schweinefüße und –ohren aus dem Tierfutterhandel. Die abgetrennten Kadaverstücke, mit Graphit eingerieben und in eine klebrig anmutende Schicht aus Folie gewickelt, wirken wie Chimären in ihrer weißlich-löcherigen Plastikhülle. Als Gegengewichte dienen Anglerblei und krude verschmolzene Plastikgebilde, die der Künstler aus Klebeband baut, zersengt und farbig ansprüht. Auch von weißem Silikon umhüllte Kanülen und ein mit giftigen Bleikugeln beschwerter Joint finden sich unter den Objekten. Zusammen ergibt sich eine bizarre Raumcollage, ein skurriles Szenario aus den Randbereichen von Konsum, Industrie und Haushalt.

Filigran und kleinteilig, sind die einzelnen Bauteile fast zu übersehen: Die Stahlrohre, Drahtseile und die graphitfarbenen Elemente gehen auf in der umliegenden Architektur; sie sind schwer zu greifen und wirken wie eine feine Zeichnung im Raum. Doch die Bewegung der Mobiles füllt den gesamten Raum aus, besetzt und beherrscht ihn. Wer im Drehkreis länger stehen bleibt, dem treibt schon ein leichter Luftzug die Objekte entgegen. Unweigerlich auf Kollisionskurs, hilft nur Ausweichen – wer will schon Schweinepfoten ins Gesicht bekommen? 

Limboland (lt. Limbus: Rand, Saum, Umgrenzung) bezeichnet ein Zwischenreich – eine Vorhölle, laut Lehre der katholischen Kirche. Abgetrennte Tierteile, Gift, Kanülen und Rauschmittel verweisen einerseits auf ein Limbus im katholischen Sinne, das sich in den diffus geschliffenen Spiegelflächen als Zerrbild zeigt. Und andererseits sind die Arbeiten in ihrer Formenprache so reduziert, dass sich das Abbild einer lodernden Vorhölle nicht erhält – sie verweisen auf ihre äussere, formale Beschaffenheit, negieren einen metaphorischen Kontext, der aber dennoch unvermeidbar im Werk steckt. Sie halten sich in der Waage, oszillieren zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit, zwischen Allgegenwart und Unsichtbarkeit.

Wo bei dem großen Pionier der Mobiles, Alexander Calder, Schwerelosigkeit und Bewegung als utopisches Potenzial aufgezeigt werden, kippt jenes Phänomen bei Krebber ins Bizarre: Seine Objekte sind Verdammte. Sie sind Überbleibsel, Scheusale, gefangen in der Schwebe und verdammt zu ewiger Bewegung.

 

www.gereonkrebber.net