Luka Fineisen & Yeondoo Jung - Twilight Seoul, 2012 (8 min, 40 sec)

24. November - 16. Dezember 2012

Luka Fineisen & Yeondoo Jung entwickelten in Seoul eine gemeinsame Arbeit, die installatives, raumbezogenes Arbeiten mit den Möglichkeiten des Films kombiniert. In Twighlight Seoul werden wir Teilnehmer am Aufbau einer gut ausgeleuchteten Installation, die im zweiten Schritt durch filmische Tricks zu einer manipulierten Sicht auf eine vermeintliche Realität wird. Die Arbeit liest sich als Kommentar auf die Großstadt, sie ist Resultat der Erkundung und Aneignung der spezifischen Umgebung der Künstler.

Beginnend mit einer statischen Aufsicht auf das Atelier Jungs sieht man Fineisen mittig auf einem Couchtisch sitzend, mit einer Kaffeetasse in der Hand. Die beiden Künstler beginnen bald außerhalb des Sichtfelds der Kamera Kartonfetzen, einen alten Teppich, die Platine eines geöffneten Computers und weiteres Inventar ins Bild zu rücken. Stück für Stück erbauen sie eine Landschaft aus Bergen und Tälern mit verschiedenen Bild- und Schärfeebenen. Zum Ende richtet Jung die Beleuchtung aus, während Fineisen im Hintergrund ein großes Plakat aufrollt, das einen roséfarbenen Sonnenaufgang hinter einer Hügellandschaft zeigt. Als schließlich das Deckenlicht ausgeht, vollzieht sich eine Wandlung. Der Blick auf die Installation transformiert sich zur Aufsicht auf eine dämmrig leuchtende Postkartenvedute der Metropole Seouls, bzw. eine Interpretation derselben, die umhüllt ist von kitschig romantischem Bodennebel, der mit einer Nebelmaschine erzeugt wird. Die Umgebungsgeräusche verstummen und der Gesang einer Amsel ertönt im Off.

Yeondoo Jung hinterfragt in seinen Fotografien, z.B. der Location-Serie (2007), Realität und Fiktion durch den Einsatz von Malereien und großen Fotodrucken am Set. Darsteller, Requisiten und Bildhintergrund verschmelzen zu einer neuen Wirklichkeit. Mit der Arbeitsweise der Bildhauerin Luka Fineisen, die sich gerne einfachen, profanen Materialien zuwendet und ihnen durch spielerische Verfahren eine neue, künstlerische Plastizität verleiht, und mit der einhergehenden Offenlegung des Bildaufbaus, ist der Zauber, der Trick, aufgedeckt. Man wird Teilnehmer einer Verwandlung von der begehbaren, gut ausgeleuchten Installation, die offen da liegt und keiner Verschleierung standhält, zu der inszenierten Darstellung hinter einer Kamera. Trotz der Teilnahme an dem Bildaufbau akzeptiert der Rezipient den Trick mit Nebelmaschine, den Objets Trouvées und der großen Fotopapierrolle als Simulakren einer anderen Realität. Die Szene gewinnt mit dem Einsatz des Films einen neuen Bedeutungsraum. Denn im Gegensatz zur Rauminstallation hat das Bewegtbild die Macht, Realität zu produzieren, die nie stattgefunden hat und sich zu verorten, wo es gar nicht ist.

Luka Fineisen und Yeondoo Jung begegneten sich im Zuge des Künstler- und Kunstaustauschprogramms TRANSFER 2012 Korea-NRW.

www.lukafineisen.de

www.yeondoojung.com

 

Luka Fineisen und Yeondoo Jung