Susan Collis - Rein

07. September - 07. Oktober 2012

Für die dritte Ausstellung im Honigbrot wurde die Londoner Bildhauerin Susan Collis eingeladen, einen raumgreifenden Beitrag für den Ort zu entwickeln. Der Titel Rein (dt. zügeln, in Schranken halten) erinnert in seiner Lautsprache an den englischen Begriff Rain (dt. Regen) und genau diese Ambivalenz der Titeldeutung findet man in den Arbeiten wieder: Es regnet schwarze Farbkleckse die Wände hinab. Der Raum wurde an den unterschiedlichsten Stellen infiziert durch eine klebrig und pigmentreich anmutende, schwarze Masse, die sich in langen Farbnasen über Wände, Bücher, Regale und Flaschen zieht. Doch die als vermeintlich spontan und unkontrolliert gelesene Aktion entpuppt sich nach genauem Hinsehen als eine sorgfältig durchdachte Handarbeit: Mit unterschiedlichen Pinseln und Farben auf Papier aufgetragene Farb-Drips wurden abgepaust, auf schwarze Klebefolien übertragen, per Hand ausgeschnitten und anschließend an die Wände und Einrichtungsgegenstände geklebt. Ein weiterer Beitrag in der Ausstellung ist eine gerahmte, aus drei Teilen bestehende Papierarbeit (165 x 80 cm) eines großen Farbflecks, der aber ebenso nicht mit flüssiger Farbe aufgetragen, sondern in diesem Fall mit Graphit gezeichnet wurde. 

 

Die Installation vermittelt Spontaneität und scheint daherzukommen als ein ungezügelter Erguss, der seine Manifestation aus einer saloppen Geste heraus fand. Dabei wird man getäuscht, da jene ausufernde Tätigkeit eigentlich wohl bedacht und fein säuberlich ausgearbeitet wurde und somit der antizipierten Substanz der Werke nicht gleichkommt. Collis spielt in ihren Werken mit genau jener Ambivalenz der Oberflächenwahrnehmung. Auch industriell hergestellte Produkte und Baustoffe, die unter möglichst geringem Geld- und Zeitaufwand hergestellt werden, wie Spanplatten, Schrauben oder auch Plastiktaschen, finden in ihren Werken eine Umkehrung. Collis reproduziert ebensolche Produkte unter der größten Sorgfalt mit Edelmaterialien wie Ebenholz, Türkis oder Weißgold und verleiht den normalerweise flüchtig zusammengestellten Verbundstoffen einen seinem Charakter entgegen gesetzten Materialwert. Und so erscheinen auch die Werke in der Ausstellung - die Cut-Outs oder die Graphitzeichnung – fälschlicherweise wie Farbe, die ohne großen Aufwand aufgetragen wurde. Collis führt den Rezipienten in die Irre und erinnert damit daran, dass das, was er glaubt zu sehen, doch viel mehr ist: nicht nur das von außen Sichtbare, die Oberfläche, sondern auch seine Herstellungsart und Herkunft stecken im Objekt. 

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